... ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden ...

A. H. Almaas

Jemand, der seine positiven Gefühle für seine wahre Natur oder Essenz hält, verfehlt also in Wirklichkeit die Wahrheit.  Er wird fortfahren, eher das Leben der Persönlichkeit zu entwickeln, das auf bestimmten emotionalen Zuständen gründet, als das Leben der Essenz.  Aber das ist der normale Zustand des nicht verwirklichten Menschen, der immer nach positiven emotionalen Erfahrungen strebt.  Und es ist genau diese Suche nach positiven Emotionen, die die meisten von uns davon abhält, unsere Essenz zu verwirklichen, die positive und negative Emotionen transzendiert.

aus:  Essenz - Der diamantene Weg der inneren Verwirklichung, Arbor Verlag

Videos mit Almaas (Englisch)      A.H. Almaas ( *1944 )

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Der Schüler, der zum Lehrer wurde

Einst gab es einen Vertreter der Sufis, der eine wahrhaft riesige Sammlung von Lehr- Geschichten besaß – Geschichten, die von den Taten und den Lehren der klassischen Meister handelten, und wie und wann man diese Elemente in der Lernsituation angewendet werden müssen, um echte psychologische Wirkung zu zeigen, die sonst
vergehen würden, Sie wissen - im Sande verlaufen.

Auf der Grundlage der Theorie des Lernens durch gegenseitige Übereinkunft, erlaubte dieser Lehrer immer einer gewissen Anzahl von weniger begabten Schülern, seine Seminare zu besuchen. Unter diesen gab es einen Mann, der nie irgendetwas richtig verstand. Wenn der Meister eine Interpretation wollte, so war seine Antwort fehlerhaft. Wenn eine Geschichte besprochen wurde, stellte er irrelevante Fragen. Wenn die Gemeinschaft aufgefordert wurde eine bestimmte Geschichte zu studieren, suchte er sich eine andere heraus, und so weiter.

Endlich und ziemlich widerstrebend sagte ihm der Meister, dass er gehen müsse. Im Grunde konnte ein Schüler, auch wenn er unfähig war zu lernen, durch verkehrtes Verhalten doch ein Lehrbeispiel darstellen. Aber da gibt es auch noch der Grundsatz: „Ein Hund wird niemals ein Becken mit Rosenwasser verbessern.“

Der Schüler war natürlich bestürzt, aber nichts, was er vorbrachte, konnte seinen Lehrer wirklich davon abbringen, seine Entscheidung zu ändern, also packte er seine wenigen Habseligkeiten und ging traurig seiner Wege.

Zwei oder drei Jahre später saß der gleiche Sufi-Meister am Eingang seines Hauses, als eine prunkvolle, spezial angefertigte Limousine mit Chauffeur, goldverziert und mit antiken, handgewebten Seidenteppichen gepolstert im Bogen zu ihm hinauf fuhr. Heraus sprang der erfolglose Schüler mit ausgestreckten Händen und strahlte glücklich, als er seinen alten Meister sah.

Der Weise bat ihn, sich neben ihn zu setzen und sagte: „Ich bin glücklich zu sehen, dass Du erfolgreich in der Welt geworden bist. Kann ich das so verstehen, dass Du schließlich aufgegeben hast, zu versuchen, die Bedeutung der Lehr-Geschichten zu durchdringen?“

„Oh, ja“, sagte der frühere Schüler, „ich habe mir Euren Rat gewiss zu Herzen genommen. Anstatt sie zu studieren, lehre ich sie nun.“